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Die Geschichte des Autonomen Jugendzentrums Biel 1968 bis 1981

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Hintergründe

Für viele kamen die berühmten Ereignisse von 1968 unerwartet. Nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren und der nachfolgenden Aufbruchstimmung, der sogenannten Hochkonjunktur wuchs eine Generation heran, für welche die engen Moralvorstellungen gepaart mit dem (technologischen) Machbarkeitswahn nicht mehr aufging. Eine neue Kultur (Rock n‘ Roll, Beat; neue Kleider- und Haarmoden, Sehnsüchte nach freier Liebe und ekstatischen Rausch-Erlebnissen) verbanden sich mit politischen Visionen (Pazifismus, Antiimperialismus, solidarische und gleichberechtigte Gesellschaftsformen).

Im Mai 68 waren nicht nur avantgardistische Gruppen vom Rand der Gesellschaft am Werk. In Frankreich, wo der berühmte Mai 68 seinen Anfang nahm, waren ein landesweiter Generalstreik wie auch Besetzungen der Universitäten Auslöser von Massendemonstrationen. Die Bewegung stellte während Wochen die bestehende politische und wirtschaftliche Ordnung in Frage.

Die Ereignisse lösten auch in der Schweiz Reaktionen aus. In Zürich forderten zahlreiche Jugendliche an Demonstrationen neben anderem Frieden in Vietnam, einen radikalen Umbau der Gesellschaft und - ein Autonomes Jugendzentrum!
Während einigen Wochen existierte ein solches, nach der Schliessung kam es zu Strassenkrawallen.

Die Forderung

Am 18. Juni 1968, drei Tage nach der symbolischen Besetzung des Globus-Gebäude in Zürich, verkündeten in Biel etwa 200-300 Jugendliche an einer Demonstration ihre "Solidarität mit der Jugend in Zürich, in Europa und Amerika". Neben dem inhaltlichen Hauptanlass , tauchen auch internationale, politische Slogans auf (gegen den Vietnam-Krieg,...).

In einer am 12. August eingereichten Motion fordern die Bieler SP-Stadträte Stauffer, Arnold und Grimm den Erhalt einer der beiden stillgelegten und zum Abbruch freigegebenen Gaskessel als Bieler AJZ. Nur fünf Tage später, am 17. August 1968, findet eine weitere Demonstration statt, diesmal auf dem Gaswerkareal. Die Hauptforderung: Ein Autonomes Jugendzentrum für Biel im Gaskessel. Am 20. August beschliesst der Gemeinderat den vorläufigen Erhalt eines der beiden Gaskessel. In die öffentlichkeitswirksamen Diskussionen lancieren am 24. August Bieler Tagblatt und Journal du Jura eine Geld-Sammlung zur Unterstützung eines AJZ. Ende August präsentiert ein provisorisches Aktionskomitee für ein AJZ erste Autonomie-Vorstellungen. Selbstverwaltete Räume ohne Leiter, Pflichtenhefte, Hausordnungen und Schliessungszeiten war das konkreteste gemeinsame Anliegen.

Zähe Verhandlungen, Spaltungen der AJZ-Komitees und diverse Aktionen folgten. Es dauerte zwei Jahre, bis die Behörden den Gaskessel freigaben und 60’000 Franken für Renovationen zur Verfügung stellte.

Der Bau

Die nun folgenden Umbauarbeiten gingen nur sehr langsam voran, weil viele Jugendliche, vom langen Warten zermürbt, das Interesse verloren oder keine Lust verspürten, langwierige und unentgeltliche Bauarbeiten auszuführen.Ein kleiner Kern hielt durch.

Eröffnung und das Suchen nach einer juristischen Form

Im Mai 1975 wurde der zu einem Veranstaltungsraum umgebaute Gaskessel mit einem "Gitarrenfest" eröffnet. Die Bauarbeiten waren zwar noch nicht ganz abgeschlossen; trotzdem fanden jetzt parallel dazu immer mehr Veranstaltungen statt und für einige Dutzend Jugendliche wurde der Gaskessel zu einem wichtigen Treffpunkt. Dieser Wechsel hatte auch für das „provisorisch“ genannte Komitee Folgen: Während der Bauzeit engagierten sich mehrheitlich Lehrlinge; in der Abschlussphase des Umbaus waren es immer mehr MittelschülerInnen.
Es fanden nun zahlreiche kulturelle und politische Veranstaltungen und Aktionen statt und erste Arbeitsgruppen wurden gebildet: eine Fotogruppe und eine Kindergruppe machten 1975 den Anfang. Während Jahren (1974 bis 81) wurde parallel dazu über die juristischen und finanziellen Rahmenbedingungen verhandelt.
Im Juni 1976 wurde an einer von gegen 200 Jugendlichen besuchten Vollversammlung am Strandboden das ursprüngliche Manifest überarbeitet und verabschiedet.

Für die Stadtbehörden war klar, dass es einen legalen Status (juristisch korrekte Form) und Verantwortliche brauchte. Intern waren solche Strukturen heftig umstritten und wurden von einer starken Minderheit konsequent abgelehnt. Nach jahrelangem Ringen wurde im November 1978 schliesslich der Verein Autonomes Jugendzentrum gegründet. Die unterlegene Minderheit zog sich zurück und veröffentlichte eine „Todesanzeige“: Das Autonome Jugendzentrum wurde den behördlichen Vorschriften geopfert.

Der Betrieb ging allerdings weiter und immer mehr kamen auch neue Zielgruppen, Jugendliche, welche von der Entstehung des AJZ Ende der 60er kaum mehr etwas wusste. In der Praxis zeigte sich allen Bedenken zum Trotz, dass sich praktisch alle eher am Manifest orientierte; die Vereinsstatuten gerieten bald in Vergessenheit und landeten in der berühmten Schublade.

Wir sind diejenigen, vor denen unsere Eltern uns immer gewarnt haben!

Die Eruptionen 1980 mit den sogenannten Jugendunruhen waren in Vielem anders. An Intensität und Breitenwirkung übertraf diese Bewegung alles, was die Schweiz nach dem Krieg an Ereignissen erlebt hatte. Und zum ersten Mal kam der Anstoss zu einer breiten Bewegung nicht aus dem Ausland; hingegen löste die “Bewegung der Unzufriedenen” einiges in den Nachbarländern aus.

Ausgelöst wurde diese Bewegung durch die gewaltsame Auflösung einer Demonstration von einigen hundert vorwiegend Jugendlichen, welche unter dem Slogan “Wir sind die Kulturleichen der Stadt” gegen einen städtischen Kredit von Fr. 60 Mio. für das Opernhaus in Zürich protestierten. Die Jugendkultur hatte zu dieser Zeit weder Begegnungsorte noch finanzielle Unterstützung. Innert Tagen wurden aus den paar Hundert ein paar Tausend. Zuerst in Zürich und schon bald auch in Bern, Basel, Lausanne und weiteren Städten fanden über Monate praktisch jede Woche gewalttätige Demonstrationen statt. Die Polizei setzte massiv Tränengas und Gummigeschosse ein, zahlreiche Jugendliche wurden immer wieder verhaftet. Die Wut der Jugendlichen richtete sich gegen die Polizei, Schaufenster oder Autos.

In Zürich waren auf dem Höhepunkt gegen 10'000 Menschen beteiligt. Diese setzten sich vorwiegend aus Jugendlichen und zwar aus den verschiedenartigsten Szenen zusammen.
Die 80er-Bewegung zeichnete sich unter anderem durch einen eindrückliche Phantasie und durch einen radikalen Bruch mit dem üblichen Funktionieren (auch in der linken Szene) aus.
“Macht aus dem Staat - Gurkensalat” oder “fort mit den Alpen - freie Sicht aufs Mittelmeer”
waren zwei beliebte von unzähligen Slogans.

“Den Anspruch ans Materielle, an Autos, teure Wohnungen, all den Komfort .... diesen Anspruch habe ich nicht mehr und haben viele die Leute in der Bewegung nicht mehr ...
Wir lernen langsam, dass es wichtigere und schönere Sachen gibt, etwas miteinander zu tun, zu leben, wieder einmal Gefühle herauszulassen ...” Ein Bewegter 1980 (aus einer DRS 3 - Sendung).

1980/81 war auch für das Bieler AJZ eine “heisse Zeit”. Während einem halben Jahr war der Gaskessel rund um die Uhr geöffnet. Das seit Beginn existierende Komitee wurde abgeschafft und durch die wesentlich offenere BenützerInnen-Versammlung (BV) ersetzt. Diese findet heute noch jeden Dienstag ab 20 Uhr im Gaskessel statt und ist offen für alle Interessierten.

Von den Behörden wurde erfolgreich ein zusätzliches Gebäude gefordert (Villa Fantaisie) und ab 1981 erhielt das AJZ erstmals auch bescheidene Subventionen.
Zahlreiche neue Projekte wurden durch Interessierte und Betroffene ins Leben gerufen: eine AJZ-Zeitung, die Commune Autonome (Wohngemeinschaft und Druckerei), das Sleep-In, die Underground Station, die AG-Villa (für Renovationsarbeiten in der Villa), die Zonderbar, die Chessu-Gruppe (organisiert den Betrieb im Gaskessel), etc.